Wo der Samichlaus auftaucht, beginnen Kinderaugen zu funkeln
Morgen ist der 6. Dezember und somit Zeit für den Samichlaus - wir haben ihn vorab schon mal besucht, um so einiges über seine Arbeit und seine Motivation zu erfahren.
Der Schmutzli (Jonas Bacher), Vater Samichlaus (Christoph Würsten) und ihr Eselchen Caracho sind an vielen Orten anzutreffen und bringen viel Freude. Bild: Judith Sacchi
Morgen ist der 6. Dezember und somit Zeit für den Samichlaus - wir haben ihn vorab schon mal besucht, um so einiges über seine Arbeit und seine Motivation zu erfahren.
Furttal. Tief im Lägern-Wald, da wohnt der Samichlaus. Im Moment pendelt er zwischen seiner Einsatzzentrale im Untergeschoss der katholischen Kirche Regensdorf und seinem «Wohnort» hin und her, um Gross und Klein mit einem Besuch Freude zu bereiten. Und dabei ist er nicht alleine - wie es sich gehört, wird er von seinem treuen Gefährten, dem Schmutzli, begleitet. Ebenfalls mit auf Tour ist vielfach ein «Waldfraueli», welches auch manchmal den Kindern die Angst vor dem Mann im roten Gewand nehmen muss, was es mit einer schönen Geschichte macht. Aber das ist dann auch Frauenpower genug, denn, so betont Vater Samichlaus, ansonsten sei und bleibe das eine reine Männerdomäne.
Hinter «Vater Samichlaus» steckt Christoph Würsten, welcher seit Jahrzehnten als Chlaus unterwegs ist. Was 1984 im privaten Rahmen begann, wurde zu Gesellschaften und heute ist es der Furttaler Wald-Chlaus, in welchen Würsten sein ganzes Herzblut steckt. Das Präsidium hat er dieses Frühjahr zwar an Jonas Bacher abgegeben, das Zepter über die Chläuse aber nicht.
Denn, wer mitmachen will, durchläuft eine strenge Ausbildung bei Vater Chlaus, damit bei den vielen Besuchen auch nichts schief läuft und alle ihre Freude daran haben. 21 Mitglieder umfasst die Truppe im Moment, welche sich in den Tagen rund um den 6. Dezember darum kümmern, dass der Chlaus rechtzeitig an die Türen klopfen kann. Natürlich freuen sich vor allem die Kinder über den Gesellen aus dem Wald, aber auch Erwachsene tauchen gerne mal für eine Weile in die Welt des Samichlaus ein.
Wer aber jetzt denkt, dass es reicht, einfach die kurze Zeit, rund um den Samichlausbesuch artig zu sein, der irrt sich. Der Samichlaus ist das ganze Jahr präsent, mischt sich unter die Leute und hört so dies und das über Klein und Gross.
All dies trägt der Schmutzli im «Goldenen Buch» zusammen und am besagten Tag ist dann die Stunde der Wahrheit.
Dass Christoph Würsten auch heute noch begeistert von seinem Samichlaus-Dasein ist, führt in seine Kindheit zurück. «Wir bekamen als Kinder auch Besuch aus dem Wald», lächelt er, und jedes Mal wollte er mit dem Samichlaus mitgehen. Ganz enttäuscht sei er jeweils gewesen, dass dies natürlich nicht ging. Natürlich hat sich der Samichlaus in all den Jahren auch ein wenig dem Wandel der Zeit anpassen müssen. Der Schmutzli, welcher ja sicher noch dem einen oder anderen bekannt ist, dass er einem mit in den tiefen, dunklen Wald nimmt, tritt heute nicht mehr mit Kette und Fitze auf. Das Einschüchtern gehört der Vergangenheit an, aber ein paar mahnende Worte, das dürfen es dann schon noch sein.
Eines hat sich aber nicht geändert, die Kinder, welche mit leuchtenden Augen den Chlaus erwarten, mit Begeisterung ihre Lieder und Versli aufsagen und sich über die Leckereien freuen. Die Kleinsten sind überzeugt, dass er im Wald wohnt, die Grösseren wollen es gar nicht so genau wissen und die ganz Grossen lassen sich gerne in eine Welt mitnehmen, in welcher das digitale Zeitalter noch (fast) keinen Einzug gehalten hat.
«Ich bin mit ganzem Herzen Samichlaus», meint Würsten, «sobald ich in das rote Gewand schlüpfe, sei er mit Leib und Seele dabei. Und einer, welcher ganz und gar nicht fehlen darf, den hätten wir jetzt fast vergessen. Das Eseli, welches natürlich einfach zum Samichlaus gehört. «Nein, der Esel wohnt nicht mit mir im Wald», schmunzelt Vater Samichlaus, sondern im Schwenkelberg, da er da ein artgerechtes Leben führen kann.
Viele schöne und berührende Geschichten hat Christoph Würsten aus seiner Chlauszeit im Gepäck, welche er alle nicht missen möchte. Und das Kapitel ist noch lange nicht zu Ende, ans Aufhören denkt er ganz und gar nicht. Dafür gefällt ihm sein sympathisches Doppelleben viel zu gut.
Der Abschluss der Chlauszeit findet morgen im Schwenkelberg statt. Dann besucht der Samichlaus seine Eseli in ihrem Heim zur Stall-Visite und viele Kinder freuen sich auf eine tolle Zeit, mit einer Geschichte und natürlich Leckereien aus dem Chlaussack.
Danach ist es dann aber Zeit für Vater Chlaus und seine Gehilfen, sich wieder in die Wälder zurückzuziehen, um sich vom ganzen Trubel ein wenig zu erholen und fürs nächste Jahr wieder gerüstet zu sein. Aber eben, wie schon gesagt, sie sind auch den Rest des Jahres unter uns, damit die Kapitel im «Goldenen Buch» nie enden werden.
www.furtchlaus.ch
Judith Sacchi
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