Beim Pflanzgarten Verein Regensdorf entsteht ein Wildbienenparadies
Um den Wildbienen unter die Flügel zu greifen, schafft der Pflanzgarten Verein Regensdorf eine Wohlfühloase für die wilden Verwandten der heimischen Honigbiene.
Heinz Büchel und der ganze Pflanzgarten Verein Regensdorf freuen sich auf das neue Wildbienenparadies. Bild: sj
Um den Wildbienen unter die Flügel zu greifen, schafft der Pflanzgarten Verein Regensdorf eine Wohlfühloase für die wilden Verwandten der heimischen Honigbiene.
Regensdorf. Eigentlich wollte sich Heinz Büchel einst nur nach einem Häuschen mit Schrebergarten beim Pflanzgarten Verein Regensdorf (PGVR) umsehen. Aber, wie sagt man so schön, «meistens kommt es anders als man denkt», und so ist der Finanzchef eines Flughafenhotels heute deren Präsident. Er kümmert sich mit seinem Team darum, dass es in den rund 180 Parzellen, verteilt auf drei Areale, nach den Vereinsregeln zu und her geht.
Der rührige Präsident ist stets offen für etwas Neues, und so hat er ein Wildbienenprojekt in Angriff genommen, welches im «Harlachen» realisiert wird. «Ein kleines Projekt», schmunzelt Büchel, welchem vielleicht rund um das Hilton Zurich Airport, seinem Arbeitsplatz, ein Grösseres folgen wird. Denn dort gäbe es für die Bienen noch einiges an Platz mehr, wo für sie ein Lebensraum entstehen könnte. Vorerst finanziert das Hotel aber mal ein Teil des jetzigen Projekts, wie vor Ort zu erfahren war.
Der Grund dafür ist das ESG-Nachhaltigkeitsprogramm, welches auf den Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung basiert. Er habe sich gedacht, wenn es das schon gäbe, dann könne man als Hotel auch etwas dazu beitragen.
Für die Wildbienen entschied er sich, da ein solches Projekt andernorts sein Interesse weckte. Für die Bienen ein Glücksfall, geraten sie doch immer mehr unter Druck, da ihnen ihr natürlicher Lebensraum fehlt, obwohl sie eine grosse Arbeit für die Natur verrichten. Sie bestäuben Obstbäume und sichern Ernten in Gärten, Weinbergen und Landwirtschaftsbetrieben. Und während die Honigbienen immer mehr Aufmerksamkeit erhalten und in aller Munde sind, brauchen ihre wilden Verwandten ebenfalls Hilfe. Rund 600 ihrer Art sind in der Schweiz bekannt und fast die Hälfte hat so einige Probleme, was ihre Existenz gefährdet. Ein grosses Problem ist der Rückgang strukturierter Lebensräume, heisst, viele der Wildbienen finden einfach keinen geeigneten Nistplatz mehr. Da sie keine Langstreckenflieger sind, brauchen sie zudem Nahrung und Nistplatz in unmittelbarer Nähe.
Und hier kommt nun der Pflanzgarten Verein Regensdorf ins Spiel. Zusammen mit Bienen Schweiz und einem engagierten Gärtner aus Watt, ist auf rund 100 m2 ein Bienenparadies entstanden. Hier sollen sich ab nächstem Jahr die Wildbienen tummeln. 60 Pflanzen in zwölf verschiedenen Arten, vom Heckenkirsch, über das Pfaffenhütchen bis hin zum Schwarzdorn, bieten alles, was das Bienenherz höher schlagen lässt. Zudem steht ihnen eine Sandlinse, ein sonniger Lebensraum aus Sand und Erde, umgeben von Totholz zur Verfügung, wo sie sich vor Wind und Wetter verstecken und überwintern können. Somit setzt der PGVR ein weiteres Zeichen für die Biodiversität und bietet den bescheidenen Wildbienen ein Zuhause.
Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf rund 5000 Franken. Nun hofft der Pflanzgarten Verein, dass man das noch fehlende Geld mittels Bienen freundlichen Sponsoren in die Kasse bekommt. «Vielleicht verfolgt ja ein Unternehmen ebenfalls ein ESG-Programm und könnte so das gesetzte Ziel im Bereich Nachhaltigkeit unterstützen», so Büchel. Ab 500 Franken werde man zudem auf der Sponsorentafel, welche beim Projekt aufgestellt wird, erwähnt. «Aber natürlich sind wir für jeden Betrag dankbar», so der Präsident. Erfreut zeigt er sich darüber, dass der Naturschutzverein Regensdorf bereits für ein Sponsoring zugesagt hat. «Die Gemeinde hat uns zudem im Rahmen ihres Neophytenprogrammes die Pflanzen im neuen Bienenparadies ersetzt.» Wer das Wildbienenprojekt unterstützen möchte, kann sich gerne bei Heinz Büchel (heinz.buechel@pgvr.ch) melden.
Dem Projekt kommt vor dem Bezug seiner Bewohner bereits eine Ehre zuteil. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums hatte der Schweizer Familiengärtner Verband einen Projektwettbewerb ausgeschrieben. Das Siegerpodest gehört dem Pflanzgarten Verein Regensdorf für sein Wildbienenprojekt, was Heinz Büchel und seine Mitstreiter natürlich sehr freut. Das Wildbienenprojekt ist für Büchel auch ein Punkt auf seiner Liste, das Bewusstsein für naturnahes Gärtnern zu fördern. Zudem plant er bereits weitere, tierische Projekte. «Gerne würde ich eine Heimat für Wiesel bauen», meint er. Dies nicht ganz uneigennützig, da auf dem Speiseplan dieser Tiere ganz oben Mäuse stehen, und diese sieht der Präsident nicht so gerne in den Schrebergärten.
Ebenso ist ein Kastrationsprojekt für streunende, verwilderte Katzen von einem PGVR-Mitglied ins Leben gerufen worden. «Dieses Vorhaben werden wir nächstes Jahr zusammen mit einer Tierschutzorganisation in Angriff nehmen.» Heisst, die Katzen, welche in den Arealen des Vereins leben, werden eingefangen und kastriert, um die unkontrollierte Vermehrung zu stoppen.
Und beim Gespräch mit dem engagierten Präsidenten kristallisiert sich eines heraus, es gibt viel zu tun im Pflanzgarten Verein Regensdorf und weitere, neue Projekte dürften nicht lange auf sich warten lassen.
www.pgvr.ch
Judith Sacchi
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