Das Tandemprogramm baut Brücken zwischen den Kulturen
Freiwilligenarbeit ist bereichernd und öffnet neue Horizonte - so auch beim Tandemprogramm. Dieses hilft geflüchteten Menschen besser an ihrem neuen Wohnort anzukommen.
Ute und Aminta, vorne, ein Tandem, bei welchem aus Fremden Freunde wurden, worüber sich auch
Susanne Riedel, hinten links, und Yilian Mangada freuen. Bild: sj
Freiwilligenarbeit ist bereichernd und öffnet neue Horizonte - so auch beim Tandemprogramm. Dieses hilft geflüchteten Menschen besser an ihrem neuen Wohnort anzukommen.
Furttal. Integration lebt vom Austausch - davon, einander zuzuhören, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln. Hier setzt das Tandemprogramm von fokusnetzwerk an. Es bringt Menschen mit unterschiedlichen Lebensmustern zusammen und schafft Begegnungen. So treffen Leute aufeinander, welche sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Das Ziel ist ganz klar, es soll Geflüchteten helfen, in ihrem neuen Zuhause besser anzukommen. Ein wichtiger Punkt dabei ist sicher, die Deutschkenntnisse zu verbessern, und diese eben auch ausserhalb der Kurse anzuwenden.
Sie höre immer wieder, dass die Deutschkurse zwar gut seien, aber die Anwendung der Sprache im Alltag fehle, weiss auch Susanne Riedel, Sozialvorständin der Gemeinde Regensdorf, welche in diesem Projekt viel Potenzial sieht.
Wie der Name Tandem schon sagt, bilden jeweils zwei Teilnehmende ein Team. Auf der einen Seite eine geflüchtete Person, auf der anderen Seite ein freiwilliger Mentor, eine Mentorin. Das Ziel der Verbindung ist, sprachliche, kulturelle und soziale Barrieren zu vermindern und auch gegenseitiges Verständnis zu fördern. Während sechs Monaten verbringt das Tandem eine Stunde pro Woche zusammen. Wie es danach weitergeht, entscheiden die betroffenen Personen selber. Viele würden sich danach weiterhin treffen, weiss Yilian Mangada, Projektleiterin fokusnetzwerk. So machen das auch Ute und Aminta, welche sich vor gut einem Jahr über das Projekt kennenlernten. Heute sind die beiden Frauen befreundet und verbringen gerne weiterhin Zeit miteinander.
Aminta kam vor einigen Jahren mit ihrer Familie aus dem Kaukasus nach Regensdorf. Sie besuchte zwar die Deutschkurse, sprach aber im familiären Umfeld in ihrer Muttersprache, was eine Kommunikation in der Gesellschaft nicht vereinfachte. Über das Tandemprojekt lernte sie Ute kennen, welche ebenfalls in Regensdorf wohnt.
Sie sei damals gerade in Rente gegangen, meint die aus Deutschland stammende Ute, und habe eine Freiwilligenarbeit gesucht, um weiterhin einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Und so stiess sie auf das Tandemprogramm, welches sie gleich interessierte. «Ich bin ja schliesslich auch eine Migrantin», lächelt sie im Gespräch, vor 28 Jahren sei sie in die Schweiz gekommen und musste auch so einige typische Gepflogenheiten lernen. Und ja, die verschiedenen Dialekte hätten es ihr auch nicht wirklich einfach gemacht, schmunzelt sie. Natürlich könne man dies nicht 1:1 vergleichen, trotzdem wisse sie, dass Hilfe gut tue.
Und so brachte das fokusnetzwerk die beiden Frauen zusammen. «In einem Café in Zürich», erinnern sie sich gerne zurück. Die Sympathie war gleich da und so war es keine Frage, dass die Beiden sich künftig regelmässig trafen. Schnell war auch klar, dass daraus eine Freundschaft wird, welche die Zwei nun verbindet. «Ich habe bei diesem Programm gesehen, wie gut es mir eigentlich geht», zieht Ute Bilanz und meint auch, dass sie soviel Interessantes von Aminta von einer anderen Kultur und Lebensweise erfahren habe.
Dass es durch das Tandemprogramm für beide Seiten viele wertvolle Einblicke in andere Lebenswelten gibt, das kann Yilian Mangada nur bestätigen. Es wird auch deutlich, wie Integration im Alltag beginnen kann, nämlich durch Offenheit und ein bisschen Mut, aufeinander zuzugehen.
Auch für Aminta, welche durch das Tandemprogramm vieles gelernt hat und nun auch über sehr gute Deutschkenntnisse verfügt ist klar, dass dieses Projekt für Geflüchtete sehr wertvoll ist. Integration ist dabei nicht nur ein Wort, sondern sie wird gelebt.
Melden für das Tandemprogramm können sich übrigens beim fokusnetzwerk Geflüchtete und Freiwillige, welche interessiert sind. Wer zu wem passt, dass wird nach einem Gespräch entschieden und «wir verlangen von allen interessierten Freiwilligen einen Sonderprivatauszug», meint Yilian Mangada. So soll sichergestellt werden, dass die Seriosität gewährleistet ist.
Meistens geht es um fehlende Anwendung der Sprachkenntnisse, welche sich die Geflüchteten von ihren Tandempartnern erhoffen. Und so muss dieser, nebst der Volljährigkeit, solide Deutschkenntnisse haben und auch Wissen zur Schweiz. Aber auch Fragen zur Wohnungssuche oder sonstigem können ein Bestandteil der Treffen sein. Mangada sieht als wichtigen Punkt «Hilfe zur Selbsthilfe».
Man wolle es aber den Freiwilligen möglichst leicht machen und sie nicht mit vielen Vorschriften eindecken, so Mangada. So gestaltet das Tandem die Treffen selbständig und entscheidet, ob es ein Spaziergang, Gespräche über den Alltag und Beruf sein soll oder ob man vielleicht gemeinsam eine kulturelle Aktivität unternehmen möchte. Diese Flexibilität macht es für beide Seiten attraktiv, da die Interessen selber gewählt werden können.
Grundsätzlich gäbe es genug Freiwillige, meint Yilian Mangada, aber schön wäre, wenn beide Tandempartner in der Nähe voneinander wohnen würden oder im besten Fall - wie bei Ute und Aminta - sogar in der gleichen Gemeinde. Lange Anfahrtswege sind für beide Seiten nicht ideal.
Und so würde sie sich freuen, wenn für die Geflüchteten, welche im Furttal heimisch sind und sich gerne dem Tandemprogramm anschliessen möchten, sich auch Freiwillige melden würden, welche hier wohnen. «Das wäre toll.»
Wer sich für einen Einsatz im Tandemprogramm interessiert, findet alle weiteren Informationen dazu unter www.fokusnetzwerk.ch.
Judith Sacchi
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