Ein- und Rückblicke rund um Regensdorf
Das aktuelle Regan-Zunftblatt erzählt von historischen Ereignissen, lokaler Industriegeschichte, Künstlertum und Dorfkultur – und nimmt die Leserschaft mit auf die grösste Kutschenausfahrt der Schweiz.
In offenen Landauern durch das Umland im Blust der Obstbäume - die Blueschtfahrt ist seit 1964 bei der Landzunft eine hochgeschätzte Tradition. Bild: zvg
Das aktuelle Regan-Zunftblatt erzählt von historischen Ereignissen, lokaler Industriegeschichte, Künstlertum und Dorfkultur – und nimmt die Leserschaft mit auf die grösste Kutschenausfahrt der Schweiz.
Regensdorf. Gedruckt in einer Auflage von 10 800 Exemplaren flattert das Zunftblatt der Landzunft Regensdorf kurz vor Jahresende in die Briefkästen der Gemeinde. Im Grusswort der reich bebilderten Publikation hebt die Watter Kantonsrätin Priska Hänni-Mathis den Wert gelebter Gemeinschaft hervor.
Sodann lässt ein Text von Lucas Wüthrich, ergänzt von Ernst Burkhart, die Lesenden in die spannende Geschichte des Züriputsches von 1839 eintauchen. Das Ereignis markiert das vorläufige Ende der liberalen Vorherrschaft im Kanton Zürich. Ausgelöst durch soziale Spannungen, religiöse Konflikte und politische Unzufriedenheit, insbesondere in der Landbevölkerung, eskalierte der Widerstand in einem bewaffneten Zug nach Zürich.
Auf dem Münsterhof kam es zu einem gewaltsamen Zusammenstoss mit Todesopfern. Kurzfristig übernahmen die Konservativen die Macht, doch bereits wenige Jahre später setzten sich die Liberalen erneut durch und prägten die weitere politische Entwicklung des Kantons und der Schweiz nachhaltig.
Ein spannendes Kapitel lokaler Industriegeschichte schlägt Kurt Knuser mit seinem Beitrag über die Robert Aebi AG auf. 1881 gründete Rudolf Rötschi mit seinem Bruder Johann eine Handelsvertretung für Baumaschinen im Zürcher Seefeld. 1904 übernahm sein Neffe Robert Aebi die Firma, die unter neuem Namen Ingenieurlösungen entwickelte und ihr Portfolio um Baumaschinen für Strassen und Schienen erweiterte. Warum 1917 der Produktionsstandort nach Regensdorf verlegt wurde, welchen Aufschwung die Robert Aebi AG ab 1930 als Tochterfirma der von Roll AG erlebte und wie sie seit 2007 wieder als Familienunternehmen weiterhin Erfolgsgeschichte schreibt, ist im Zunftblatt nachzulesen.
Für seine Serie über Künstler aus dem Furttal traf Norbert Rusch die Bildhauerin Maja Thommen in ihrem Elternhaus in Regensdorf und widmet ihr ein eindrückliches Porträt. Den Schritt von der Malerei in die dritte Dimension fand Thommen beim Basler Steinbildhauer Ernst Weisskopf. An der Accademia di Belle Arti in Carrara lernte sie Marmorbearbeitung und entdeckte den Bronzeguss, später wandte sie sich weiteren Werkstoffen zu. Neben internationalen Ausstellungen ist ihr Werdegang von Aufenthalten in Dänemark, Island, Japan, Frankreich und den USA geprägt. Heute lebt und arbeitet die 60-Jährige in der Toskana, wo sie ein Atelier, Gästeunterkünfte und Kunstkurse betreibt.
Mit dem Gedicht «De Hüttewääg» des Watters Emil Zollinger (1923 – 2007) lässt Ernst Burkhart seinen Beitrag «Die Milchhütte – Sammelstelle und Begegnungsort» poetisch beginnen. Im bäuerlichen Furttal gehörte die Milchannahmestelle einst zum täglichen Dorfleben, wovon auch lebhafte Schilderungen in Schulaufsätzen aus den 1930er Jahren zeugen. Durch die Verknüpfung solch persönlicher Erinnerungen mit historischen Fakten lässt der Autor die Geschichte der Milchhütten in Watt, Adlikon und Regensdorf amüsant und informativ Revue passieren.
Wie rege die Gemeinde Regensdorf in Sachen Kultur und Freizeit unterwegs ist, zeigt der Überblick 2024/25: Die mehr als 111 aufgeführten Anlässe stellen lediglich eine Auswahl des vielfältigen Engagements dar. Es folgt der – nicht nur wegen eines Wasserleitungsbruchs – alles andere als trockene Jahresbericht der Museumskommission, die aktuell zwei neue Mitglieder sucht. Ebenso haben Zunftmeister Matthias Knuser und Chronist Bruno Neeser einen Rückblick aufs Zunftjahr verfasst: Es stand im Zeichen der Begegnungen und des Zusammenhaltes, wie zahlreiche Aktivitäten vom Bärchtelistreff bis zum Martinimahl belegen.
Einer weiteren Tradition wurde nicht von ungefähr ein eigener Artikel zuteil: Die Blueschtfahrt der Landzunft Regensdorf ist die grösste Kutschenausfahrt der Schweiz. Auch ohne formelle Verankerung in den Satzungen hat sie seit der Premiere 1964 im Zunftleben einen besonderen Stellenwert. Die Route der bis zu 25 viersitzigen Landauer durchs Umland ist stets ein wohl gehütetes Geheimnis, die Tour wird jeweils von einem Mittagessen im Grünen und launigen Reden der Zunftmeister gekrönt.
Ein Auszug aus den über 190 Beschlüssen des Gemeinderats und eine Einwohnerstatistik komplettieren das Zunftblatt 2026, das 48 Seiten unterhaltsamen Lesestoff bietet.
Das «Regan-Zunftblatt 2026» geht kostenlos in alle Haushalte der Gemeinde. Redaktion Zunftblatt: Jürg Frei, Watt, info@architekt-frei.ch
Martina Kleinsorg
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