«Wir sind nicht gleich, aber wir sind gleichviel wert»
Das Berufsbildungsforum Zürcher Unterland-Flughafen lud zu einem spannenden Netzwerkanlass nach Regensdorf ein. Ein voller «Thessoni»-Saal zeugte von grossem Interesse.
Urs Müller, Präsident Berufsbildungsforum Zürcher Unterland-Flughafen, Vera Class, Stefan Krebs und Werner Scherrer. Bild: sj
Das Berufsbildungsforum Zürcher Unterland-Flughafen lud zu einem spannenden Netzwerkanlass nach Regensdorf ein. Ein voller «Thessoni»-Saal zeugte von grossem Interesse.
Regensdorf. Aktiv mitmachen und sich nicht einfach berieseln lassen, so ist das Motto von Vera Class bei ihren Referaten. Und so hielt es die Expertin für Kommunikation und Berufsbildung auch letzte Woche in Regensdorf. Meist sitze man an solchen Anlässen genau neben den Personen, welche man schon kenne, meinte sie schmunzelnd.
«Reden Sie doch mal mit jemanden, den sie noch nicht kennen, der vor oder hinter ihnen sitzt», forderte Class die Anwesenden auf und schon entstanden interessante Gespräche. Dies ganz im Sinne eines Netzwerkanlasses, zu der das Berufsbildungsforum Zürcher Unterland-Flughafen geladen hatte.
Die Referentin hatte für ihr Referat das Thema «Unterschiede der Generationen - Herausforderungen und Chancen in der Berufsbildung» gewählt. Eines ihrer Ziele an diesem Abend, Inspiration für die Zusammenarbeit mit der jüngeren Generation mitzunehmen. Denn schubladisieren sollte man keine Generation, so nicht die Traditionalisten (1922 bis 1944), die Babyboomer (1945 bis 1960), die Generation X (1961 bis 1980), die Generation Y & Z (ab 1981 bzw. ab 1995) und die Generation Alpha oder Re-Generation (ab 2010). Jede Generation teilt ihre gesellschaftlichen Erfahrungen und ist durch diese geprägt.
Aber egal, wie alt man ist, eigentlich sei man ja immer in Bildungsjahren und lerne stets Neues dazu. «Und auch von Lernenden, können wir lernen», so Class, da diese in einigen Sachen älteren Generationen voraus sind. Zudem sei vieles eine Frage der Perspektive und nicht unbedingt schlechter oder besser. Vera Class kam auch auf ein viel diskutiertes Wort im Zusammenhang mit den Jungen zu sprechen, nämlich Respekt. Haben die Jungen heute dies noch, stellte sie die Frage in den Raum. Eine Stimme aus dem Publikum bejahte dies klar und meinte, die jungen Generation sei halt einfach ehrlich und sage auch, wenn ihnen was nicht passt. Ältere Semester haben vielfach gelernt einfach nichts zu sagen. Aber ob Jung oder Alt, «wir sind nicht gleich, aber wir sind gleichviel wert», so Class.
Berufsbildung sei zudem die Entwicklung von Stärken und nicht Schuldige suchen, sondern ganz klar einen Weg, den alle gemeinsam gehen wollen. Klar brauche es Grenzen und Regeln, was auch für die junge Generation gelte. Als Ausbildner habe man aber einen berufspädagogischen Auftrag und zwischen Reiz und Reaktion sei eine Menge Gestaltungsfreiheit. Zudem sollen Fragen gestellt werden, bevor vorverurteilt wird und eine Sache betonte Vera Class immer wieder. «Lernende sind im Trainingsmodus», das sei wichtig, sich dies stets vor Augen zu führen.
Zudem sei die heutige Generation ja in die bestehende Welt mit alle ihren Gegebenheiten hineingeboren. Und von wegen, die Jungen sind nur am Handy, meinte sie schmunzelnd, «hätten wir Älteren das denn nicht auch gebraucht, wenn es dies zu unserer Zeit schon gegeben hätte?»
Sie appellierte auch an die Anwesenden Flexibilität zu zeigen, um so auch junge, gute Berufsleute zu motivieren.
Anschliessend an ihre Worte hiess sie Werner Scherrer, Präsident des kantonalen Gewerbeverbandes (KGV) und Stefan Krebs, Bildungsrat und Unternehmer zum Podiumsgespräch willkommen. Beide sind stolz darauf, wie übrigens die Referenten auch, eine Berufslehre abgeschlossen zu haben und wünschen sich, dass junge Menschen wieder vermehrt diesen Weg einschlagen. Wichtig auch, auf Augenhöhe mit den Lernenden zu sein, und sei dies auch in der Form, dass vom Chef bis zum Auszubildenden alle im «Übergwändli» unterwegs sind. Einig waren sie sich, dass es ganz klar Regeln brauche, da sonst beide Seiten nicht glücklich seien. Die heutigen Möglichkeiten, welche sich aus einer Berufslehre ergeben, sehen beide als grosse Chance. Die Jungen sind unsere Fachkräfte von morgen, so der Tenor, und deshalb sind sich alle einig, es lohnt sich, die Berufsbildung stets zu stärken. Beim anschliessenden Apéro wurde noch angeregt über das eine oder andere diskutiert und so ging der Anlass in gemütlichem Rahmen zu Ende.
Wer diesen Anlass verpasst hat, kann seine Chance im Oktober nutzen. Denn, wie vor Ort zu erfahren war, wird dann der nächste Netzwerkanlass dieser Art im «Thessoni» stattfinden.
www.bbfzuf.ch
Judith Sacchi
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