Musikwoche Regensdorf - «es wird gesungen, gespielt und geflunkert»
In grossen Schritten geht es auf die Musikwoche Regensdorf zu. Wir haben die OK-Präsidentin Erika Kuczynski zum Gespräch gebeten.
Erika Kuczynski. Bild: zvg
In grossen Schritten geht es auf die Musikwoche Regensdorf zu. Wir haben die OK-Präsidentin Erika Kuczynski zum Gespräch gebeten.
«Furttaler»: Die Musikwoche Regensdorf ist nach all den Jahren eine etablierte Veranstaltung. Was macht die Musikwoche für die Region besonders?
Erika Kuczynski: Weil sie in der Regel nur alle vier Jahre stattfindet und Mitwirkende aus der Gemeinde Regensdorf, dem Furttal, Wehntal und sogar aus dem Zürcher Oberland rekrutiert. Alle Produktionen waren und sind «Unikate», also keine bestehenden Formate, denn man kann sie nur bei uns sehen und erleben.
Wie hat sich die Musikwoche über all die Jahre – die erste Aufführung war 1984 – entwickelt?
Wie schon erwähnt, war jede MuWo etwas Besonderes mit aufwendigen Inszenierungen als Hauptact. Begonnen hat alles auf der Ruine Altburg mit «Acis und Galatea», mit Profisolisten und einem Amateur-Projektchor, der in der Folge der «rote Faden» jeder Produktion darstellte. Von Anbeginn gab es auch ein Rahmenprogramm mit Vereinen aus Regensdorf und dem Furttal, aber auch bekannte Schweizer Acts wie «Züri West» und Vera Kaa kamen auf die Altburg. Wenn das Wetter mitspielte, war die Kulisse der Altburg natürlich einmalig, aber als Ausweichlokal wegen Wetterkapriolen diente denn auch öfters die MZH Pächterried. Mit der Zeit konnten die Aufführungen der Hauptacts die Kosten für die aufwendige Infrastruktur nicht mehr einspielen und nach «Ausflügen» in ein Zirkuszelt, in eine Halle im Indus-triegebiert und in die ref. Kirche Regensdorf fanden wir den heutigen Austragungsort, die Reithalle auf dem Gut Katzensee. Dort können wir sowohl den Hauptact - dieses Jahr zum dritten Mal ein Musical eigens für die MuWo geschrieben - das Rahmenprogramm und die Gastronomie ohne Wetterabhängigkeit durchführen. Während die früheren Produktionen mit Profis und Amateuren einstudiert wurden, sind die drei Musicals von Profis geschrieben, die Sängerinnen und Sänger sowie Theaterspielenden aber sind Amateure.
Sie haben auch dieses Jahr das OK-Präsidium übernommen, was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Ich kenne die MuWo seit ihrem Bestehen und war immer auf die eine oder andere Art eingebunden. Die erneute Übernahme des OK-Präsidiums hat damit zu tun, dass ich in den letzten Jahren die MuWo mit hervorragend qualifizierten Kolleginnen und Kollegen organisieren durfte. Der Reiz liegt auch darin, vom Ausgangspunkt Null eine Musicalproduktion mit sieben Aufführungen auf die Bühne zu bringen und die dafür notwendige Infrastruktur herzurichten, übernehmen wir doch jedes Mal eine leere Halle.
Was sind die grössten Herausforderungen bei der Produktion der Musikwoche?
Das Finden der künstlerischen Leitung, der Akteurinnen und Akteure, die Infrastruktur mit Gastronomie und natürlich das Beschaffen der finanziellen Mittel, aber auch der Goodwill von Gwerblern, die uns Material für die Infrastruktur zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stellen. Kurz: Das Sponsoring!
Was ist das Besondere an der Musikwoche Regensdorf im Vergleich zu anderen kulturellen Angeboten?
Es ist eine Veranstaltung, die sich alle vier Jahre neu definiert, ein Projekt eben. Jede MuWo beginnt bei Null. Es gibt Mitwirkende, die schon mehrmals aktiv dabei waren, aber auch neue, die sich durch das MuWo-Virus anstecken liessen.
Wer Lust hatte als Darstellerin und Darsteller mitzuwirken, konnte sich melden. Was waren denn die Auswahlkriterien?
Freude und Lust am Singen und/oder Theaterspielen.
Wieviele Leute sind auf und hinter der Bühne an einem reibungslosen Ablauf der Musikwoche beteiligt?
Ups! Das kann ich jetzt nicht ganz genau beantworten. Auf der Bühne sind es 27, hinter der Bühne sicher nochmals etwa zehn Personen, dies aber ohne Gewähr.
Was wünschen Sie sich, dass die Besucher der Musikwoche Regensdorf mitnehmen, dies in kultureller wie persönlicher Hinsicht?
Dass das eigens für die MuWo geschriebene und inszenierte Musical das Publikum unterhält, das Publikum durch die Mitwirkenden, die es zum Teil ja auch persönlich kennt, mitgerissen wird und auch den MuWo-Virus verfällt und die Platzkonzerte von Vereinen ein noch breiteres Publikum anzieht. Das kulturelle und persönliche Erlebnis soll im Einklang sein, eine Einheit bilden.
Was sind für Sie als OK-Präsidentin die spannendsten Momente von der Produktion bis hin zur Premiere?
Wie bereits mehrmals angetönt: Der Weg, der zum Ziel führt. Dies ist ein etwa dreijähriger Prozess.
Gibt es in diesem Jahr besondere Highlights, auf welche sich die Besucher freuen dürfen?
Die Highlights sind sicher die sieben Musical-Aufführungen, die Platzkonzerte von Vereinen im Gastrozelt vor den Vorstellungen, der ökumenische Gottesdienst mit Möglichkeit zum anschliessenden Mittag-essen vor der Nachmittagsvorstellung, der Neuzuzüger-Event der Gemeinde Regensdorf mit dem Musicalbesuch, der Restaurant-Betrieb in der MuWo-Beiz «Gerüchteküche».
Das Stück ist auch dieses Jahr von Fabienne Pfyffer und Urs Bertschinger geschrieben worden. Hatten die Zwei da völlig freie Hand oder was für Vorgaben und Anforderungen wurden vorgegeben?
Sie hatten völlig freie Hand. Dass es wieder ein Musical sein soll, war für sie und uns klar.
Das Publikum erwartet «Flunkerklunker und Walkingstöck». Können Sie einen kurzen Einblick in den Inhalt geben?
Immer mal wieder trifft sich eine Nordic-Walking-Gruppe im Wald. Von Sport keine Rede, das Geplauder ist wichtiger. Eines Tages beobachtet sie Merkwürdiges: Wer zwingt den Dorfjuwelier, barfuss übers Moos zu tanzen? Warum trifft er sich regelmässig mit der Unbekannten auf dem Bänkli bei der Feuerstelle? Sein Aktenkoffer sieht nicht nach Picknickkorb aus… Auch Joggende, Leute mit Hunden und andere Dorfbewohnende geniessen die vermeintliche Ruhe im Wald, bis die Gerüchteküche zu laut brodelt. Was geschieht, wenn eine Notlüge als Gehhilfe Walkingstöcke bekommt und dabei ins Schwitzen gerät?
In diesem Musical wird also gesungen, gespielt und drauf los geflunkert.
Ganz genau!
Ohne Schauspieler und Technik kann auch keine Musikwoche stattfinden, das ist klar. Welche wichtigen Aufgaben müssen aber im Hintergrund genauestens sitzen, um einen Erfolg zu garantieren?
Der Bühnenaufbau, die Kulissen, Requisiten, Kostüme, das Schminken der Darstellerinnen und Darsteller, die Begleit-Musik (MuWo-Band), die Regie…
Ergänzen Sie bitte folgenden Satz: «Ein Besuch der Musikwoche Regensdorf lohnt sich auf alle Fälle, weil...
...es ein einmaliges Erlebnis ist, denn «Flunkerklunker & Walkingstöck» gibt es nur bei uns, weil nur für uns geschrieben und inszeniert.
Interview: Judith Sacchi
Lade Fotos..