Ein Fest der Lebenserfahrung an der Jubilaren-Feier
Rund 110 Jubilarinnen und Jubilare ab 85 Jahren wurden vergangene Woche in Regensdorf gefeiert. Zwei Nachmittage voller Musik, Erinnerungen und Austausch.
Die Jubilarinnen und Jubilare wurden im Reformierten Kirchgemeindehaus in Regensdorf geehrt. Bild: Janik Schmid
Rund 110 Jubilarinnen und Jubilare ab 85 Jahren wurden vergangene Woche in Regensdorf gefeiert. Zwei Nachmittage voller Musik, Erinnerungen und Austausch.
Regensdorf. Im frühlingshaft dekorierten Saal, durch dessen Fenster die Sonne fiel, wurden letzte Woche am Mittwoch rund 70 Gäste und am Donnerstag gut 40 Gäste empfangen.
Nach der Begrüssung mit Mineral und Wein eröffnete Cindy Schwemmer den Anlass musikalisch mit Akkordeon und Gesang. Es folgten Grussworte und Präsentationen – begleitet von Mini-Sandwiches und einer warmen, wertschätzenden Atmosphäre.
Gemeinderat Bruno Weder hiess die Anwesenden im Namen des Gemeinderats willkommen und betonte die Bedeutung solcher Treffen. Hier komme «viel Lebenserfahrung zusammen», was ihn sehr freue. Auch persönlich seien ihm diese Anlässe wichtig. Er ermunterte die Gäste, die vielfältigen Angebote zu nutzen. Dabei verwies er unter anderem auf das Projekt «lokal vernetzt älter werden», bei dem Ideen für die Zukunft Regensdorfs in Bezug auf das Alter eingebracht werden können.
Lotti Winzeler, Altersbeauftragte der Gemeinde, knüpfte daran an. Im Zentrum stehe die Frage, wie gutes Altern in Regensdorf gelingen könne. Es gehe um Gesundheitsförderung und darum, gemeinsam zu klären: «Was ist bereits gut und wo drückt noch der Schuh?» Solche Anlässe böten die ideale Gelegenheit, diese Themen niederschwellig anzusprechen.
Auch kirchliche Angebote spielen eine wichtige Rolle. Rolf Knepper von der katholischen Pfarrei St. Mauritius, verwies auf Mittagstische, Spielenachmittage und Ausflüge. Ähnliche Möglichkeiten bietet die reformierte Kirchgemeinde Furttal, wie Ariane Schwickert erklärte – von ökumenischen Nachmittagen über Tanzkurse wie «Everdance» bis hin zum neuen «Café Balance», bei dem Bewegung zu Live-Klaviermusik und anschliessendem Kaffee kombiniert wird. Beide betonten ausdrücklich: Es spiele keine Rolle, welcher Konfession man angehöre – «alle sind herzlich willkommen».
Brian Hilkersberger von Pro
Senectute Kanton Zürich hob hervor, dass Regensdorf in Sachen Altersangebote «sehr gut aufgestellt» sei. Seine Präsentation führte die Gäste durch verschiedene Jahrgänge und verband persönliche Lebensgeschichten mit Zeitgeschichte. Er eröffnete mit einem Zitat von Franz Kafka: «Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.» Bei seiner Präsentation erfuhren die Anwesenden etwa, dass 1941 Musiker Bob Dylan geboren und im selben Jahr der Klettverschluss erfunden wurde – ein Produkt, das erst nach der Apollo-Mission 1969 weltweite Bekanntheit erlangte, als es für das Fixieren von Dingen in der Raumkapsel verwendet wurde.
Für Hilkersberger ist klar, welche Bedeutung solche Treffen haben: «Die Leute kommen zusammen – es ist ein Angebot für Gemeinschaft.» Auch Knepper unterstrich diesen Aspekt. Gerade im Alter könne das Gefühl entstehen, «die Welt wendet sich von mir ab». Umso wichtiger seien Orte, an denen man neue Bekanntschaften schliessen und alte wiedersehen könne. Wie viel Lebenserfahrung dabei zusammenkommt, hat Schwickert ausgerechnet: «Rund 4500 Jahre kommen hier zusammen.» Das sei bemerkenswert.
Besonders schätzt sie die sichtbare Wertschätzung: Menschen, die sich lange nicht gesehen haben, treffen sich wieder, erinnern sich an gemeinsame Schulzeiten und finden neue Anknüpfungspunkte. «Es ist wichtig, dass ältere Menschen sichtbar wahrgenommen werden», sagt sie.
Auch Winzeler beobachtet diese Wirkung. «Die Leute haben Freude und schätzen es. Es ist nichts Selbstverständliches.» Rückmeldungen würden sie immer wieder überraschen. So habe einmal eine Begleitperson gesagt, sie habe nach einem solchen Anlass «keine Angst mehr vor dem hohen Alter.» Für Winzeler sind solche Aussagen Ansporn: «Es geht um Fürsorge füreinander.»
Und die Jubilarinnen und Jubilare selbst? Rita Brugger, mit 96 Jahren die älteste Teilnehmerin am Donnerstag, zeigt sich begeistert von der Atmosphäre. «Die Tische sind so schön dekoriert, und die Helferinnen und Helfer sind sehr freundlich.» Sie schätzt es, viele Menschen im gleichen Alter zu sehen. Seit bald 70 Jahren lebt sie in Regensdorf und bleibt aktiv: «Ich gehe täglich laufen, Einkäufe erledige ich immer noch selbst.» Ihr Rezept: viel Bewegung und ein gesunder Lebensstil – «ich habe nie getrunken oder geraucht.»
Kurt und Jeannine Hangartner blicken auf über 60 gemeinsame Jahre in Regensdorf zurück. Sie erinnern sich an ein kleines «Dörfli» mit rund 1000 Einwohnern – heute sind es über 20 000. Nicht alles gefällt ihnen an dieser Entwicklung, dennoch sehen sie auch Positives: Die Gemeinde bemühe sich, mehr Leben hineinzubringen, es gebe viele Angebote und Treffpunkte. Ihr Geheimnis für eine lange Ehe? «Wenn der Mann nachgibt», sagt Kurt augenzwinkernd, bevor beide lachend relativieren: «gegenseitiges Entgegenkommen und Geduld». Jeannine ergänzt: «Toleranz» – und nicht zuletzt «Glück».
Nach den Ehrungen erhielten die Jubilare ein kleines Präsent – ein Schoko-Marienkäfer und ein Kärtchen. Beim anschliessenden Kaffee und Kuchen wurde gemeinsam gesungen. Ein stimmiger Ausklang eines Anlasses, der vor allem eines zeigte: Gemeinschaft, Wertschätzung und Austausch bleiben auch im hohen Alter zentral.
Janik Schmid
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