Wenn Mobbing die Demokratie ins Wanken bringt
In «Mobbing siegt über Demokratie» bricht die ehemalige Schulgemeindepräsidentin Fabienne Schenkel ihr Schweigen und schildert die Ereignisse hinter den Kulissen der Schule in Dänikon-Hüttikon.
Was einst Schlagzeilen in den Medien dominierte, ist nun in einem Buch aufgearbeitet worden. Bild: zvg
In «Mobbing siegt über Demokratie» bricht die ehemalige Schulgemeindepräsidentin Fabienne Schenkel ihr Schweigen und schildert die Ereignisse hinter den Kulissen der Schule in Dänikon-Hüttikon.
«Furttaler»: Was hat Sie dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben?
Fabienne Schenkel: Dieses Buch entstand nicht aus einem spontanen Impuls heraus, sondern aus dem Bedürfnis, Erlebtes einzuordnen und sichtbar zu machen. Ich habe über längere Zeit erlebt, wie sich sachliche Kritik zunehmend emotionalisierte und wie aus Diskussionen über Schule, Führung und Politik persönliche Angriffe wurden. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass vieles nach aussen nur noch sehr verkürzt oder verzerrt wahrgenommen wurde. Das Buch soll deshalb auch eine andere Perspektive zeigen – jene einer Person, die mitten in diesem Konflikt stand.
War für Sie von Anfang an klar, dass das Buch veröffentlicht werden soll oder gab es einen bestimmten Moment, welcher dafür ausschlaggebend war?
Anfangs schrieb ich vor allem für mich selbst – um Ereignisse festzuhalten und besser zu verarbeiten. Mit der Zeit wurde mir aber bewusst, dass viele Mechanismen, die ich erlebt habe, weit über den konkreten Fall hinausgehen. Ausschlaggebend war letztlich die Erkenntnis, dass Schweigen solche Dynamiken eher stärkt. Besonders in den letzten Monaten sind zudem immer wieder Personen aus dem Umfeld der Schule oder der Elternschaft auf mich oder mein Umfeld zugekommen und haben erklärt, dass sie irgendwann bewusst ausgestiegen seien, weil es nicht mehr um die Sache gegangen sei, sondern persönlich geworden sei – und weil sogar Kinder hineingezogen wurden. Für mich war das ein sehr prägender Moment, weil solche Aussagen zeigen, dass selbst Beteiligte oder Beobachtende diese Entwicklung rückblickend als problematisch wahrgenommen haben und sich heute klar distanzieren.
Welche Diskussionen möchten Sie mit diesem Buch auslösen?
Ich wünsche mir eine ehrliche Diskussion darüber, wie Konflikte im schulischen und politischen Umfeld geführt werden. Kritik gehört zur Demokratie – unbedingt. Doch wo endet sachliche Kritik und wo beginnen persönliche Angriffe. Wie schnell entstehen Dynamiken, in denen Gerüchte, Gruppendruck und öffentliche Stimmung wichtiger werden als Fakten? Dieses Buch soll einen Blick hinter die Kulissen und Schlagzeilen ermöglichen und zum Nachdenken anregen.
Was raten Sie Mobbing-Betroffenen im schulischen Umfeld?
Nicht einfach zuzuschauen, sondern zu handeln. Gerade im schulischen Umfeld werden Konflikte oft lange relativiert oder unterschätzt. Wichtig ist, früh Grenzen zu setzen, Unterstützung zu holen und Dinge sachlich zu dokumentieren. Viele Betroffene beginnen irgendwann an sich selbst zu zweifeln – deshalb ist es wichtig, Menschen um sich zu haben, die einem zuhören und ernst nehmen.
Wenn Sie auf die Zeit zurückschauen, würden Sie selber etwas anders machen?
Rückblickend würde ich gewisse Dinge wohl früher klarer ansprechen und manche Entwicklungen nicht so lange laufen lassen in der Hoffnung, dass sich Situationen wieder beruhigen. Gleichzeitig ist man mitten in einem Konflikt oft in einer ganz anderen Situation als im Rückblick. Dazu kommt, dass man als Schulpflege nicht über alles informieren kann, dem habe ich im Buch ein Kapitel gewidmet: «Warum eine Schulpflege nicht alles sagt.» Von aussen wirken Entscheidungen manchmal einfacher, als sie im Moment tatsächlich waren.
Hat es im Buch auch Platz für Selbstkritik?
Das Buch versteht sich nicht als Schwarz-Weiss-Erzählung. Natürlich hinterfragt man sich selbst, eigene Entscheidungen oder Kommunikationsweisen. Wer ehrlich über Konflikte schreibt, muss auch bereit sein, den eigenen Anteil zu reflektieren.
Wann wäre der Zeitpunkt gewesen, das Ruder herumzureissen, bevor die «Geschichte» um die Schule Dänikon-Hüttikon eskalierte?
Das ist schwierig zu beantworten. Wie Bildungsexperte Dr. phil. Carl Bossard im Vorwort meines Buches schreibt, wird eine Schule nicht durch Strukturen oder Reformen bildungswirksam, sondern dort, wo gemeinsame Werte und Prinzipien gelebt werden. Genau das wurde durch die vielen Störungen und Konflikte von aussen schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Das Buch geht in der Geschichte etwas zurück und zeigt auch auf, dass uns im Grundsatz nie eine Chance gegeben wurde.
Die Grenze zwischen Kritik und Mobbing kann ein schmaler Pfad sein – wo beginnt in Ihren Augen Mobbing?
Kritik wird dort problematisch, wo sie nicht mehr Lösungen sucht, sondern gezielt Menschen beschädigen will. Wenn Gerüchte, persönliche Angriffe, sozialer Druck oder öffentliche Stimmungsmache entstehen, hat das mit sachlicher Kritik wenig zu tun. Spätestens wenn Kinder oder Familienmitglieder indirekt Teil solcher Konflikte werden, ist für mich eine klare Grenze überschritten.
Was war für Sie emotional der schwierigste Teil beim Schreiben des Buches?
Noch einmal durch gewisse Situationen zu gehen und sich daran zu erinnern, wie belastend einzelne Phasen waren. Gleichzeitig war es schwierig, sachlich zu bleiben und nicht aus Verletzung heraus zu schreiben. Genau deshalb war mir wichtig, das Buch mit zeitlichem Abstand und gemeinsam mit professioneller Unterstützung zu erarbeiten. Meinen Dank gilt auch meinen stillen Unterstützerinnen und Unterstützern.
Das Buch provoziert, bereits der Buchtitel ist provokant. Ist Provokation in Ihren Augen der richtige oder sogar einzige Weg, um die Aufmerksamkeit für das wichtige Thema zu bekommen?
Während der Erarbeitung wurden verschiedene Titel diskutiert. Ich habe dazu auch Personen aus meinem persönlichen Umfeld sowie Fachpersonen beigezogen. Dieser Titel hat letztlich allen Diskussionen standgehalten, weil er die Geschichte sehr pointiert auf den Punkt bringt.
Ist das Thema Schule Dänikon-Hüttikon für Sie mit diesem Buch abgeschlossen?
Da ich noch ein Kind im letzten Schuljahr an der Schule habe, ist das Thema für mich noch nicht ganz abgeschlossen. Persönlich hilft mir das Buch aber dabei, mit diesem Kapitel einen Abschluss zu finden.
Und ist das Thema «öffentliches Amt» für Sie für immer abgeschlossen?
Nein, grundsätzlich nicht. Als Pädagogin mit langjähriger Erfahrung im Bildungsbereich habe ich mich kontinuierlich mit zentralen Themen des Schulwesens auseinandergesetzt und weitergebildet. Ich könnte mir deshalb durchaus vorstellen, mein Wissen künftig auf einer anderen Ebene wieder einzubringen.
Eine letzte, und vielleicht doch etwas provokante Frage: Ist das Buch «Mobbing siegt über Demokratie» auch eine Abrechnung mit Personen aus Ihrer damaligen Amtszeit?
Nein, keinesfalls. Wie ich im Kapitel «Beweggründe» schreibe, danke ich auch allen Protagonistinnen und Protagonisten dieser Geschichte. Ich hoffe, dass mir jene die Wertschätzung und Toleranz entgegenbringen, die sie immer gefordert haben und ich selbst versucht habe hochzuhalten. Das Buch ist die Möglichkeit, Personen die Geschichte aufzuzeigen, die heute auf mich zukommen und im Gespräch sagen: «Wenn ich diese Details damals gewusst hätte, dann hätte ich mich anders verhalten.»
Interview: Judith Sacchi
«Mobbing siegt über Demokratie» - die ehemalige Schulgemeindepräsidentin von Dänikon-Hüttikon, Fabienne Schenkel, zeichnet die Entwicklung eines lokalen Schulkonflikts aus ihrer Perspektive nach. Die wahre Geschichte aus Dänikon-Hüttikon zeigt, wie ein lokaler Konflikt zu einem zerstörerischen Machtspiel eskalierte, das weit über den Kanton Zürich hinaus Schlagzeilen machte – befeuert von Leserbriefen, Beschwerden und tiefem Misstrauen. Zwischen Gerüchten, Aufsichtsbeschwerden und juristischen Verfahren verlor die Dorfschule nicht nur ihre Führung, sondern auch ihr Fundament: das Vertrauen. Ein Buch über Manipulation, verletzte Egos und den schleichenden Zerfall demokratischer Kultur – erzählt mit der Präzision einer Chronik und der Wucht eines Dramas. Das Werk ist im Buchhandel sowie online erhältlich. Für die «Furttaler»-Leser besteht bis Mitte Juni die Gelegenheit, dieses zum Vorzugspreis von 25 Franken inklusive Lieferung zu beziehen. Wer davon Gebrauch machen möchte, kann eine Mail an redaktion@furttaler.ch schicken, mit der Angabe der vollständigen Lieferadresse.
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