Gründungsmitglied Kurt Strasser und sein «Fieseler Storch», der im Original 1946 Luftfahrtgeschichte schrieb. Bild: Martina Kleinsorg
26.06.2026 00:00
Fliegen, Feiern, Fachsimpeln zum 50-Jahr-Jubiläum
Vom legendären «Fieseler Storch» bis zum Hochleistungs-Helikopter: Zum 50-jährigen Bestehen zeigte die Modellfluggruppe MG Furttal auf dem Flugplatz Dällikon selbstgebaute Fluggeräte – und die Kameradschaft, die sie verbindet.
Dällikon. Entlang der Hecke am Modellflugplatz in Dällikon reiht sich Auto an Auto. In den Kofferräumen stapeln sich Tragflächen, Rümpfe und sorgfältig verpackte Technik. Unter den Sonnenschirmen wird fleissig geschraubt und fröhlich geplaudert. Vereinzelt steigt ein leises Surren auf, erste Flieger ziehen ihre Runden.
«Das Faszinierende am Modellflug ist, dass man alles in einem ist: Konstrukteur, Pilot, Mechaniker – es gibt eigentlich immer etwas zu reparieren, das gehört zu unserem Hobby», sagt Christian Weber. Er ist seit zwei Jahren Präsident der rund 80 Mitglieder zählenden Modellfluggruppe MG Furttal, die am Samstag ihr 50-Jahr-Jubiläum mit freiem Fliegen und Festwirtschaft feierte. Ein Vertreter des Regionalverbands Nordostschweiz überreichte einen Scheck.
Weber kam eher zufällig zu seiner Passion: Von seinem Bruder «erbte» er einen Helikopterbausatz, für die Elektronik fehlte ihm als Student noch das Geld. Später folgten erste Flugstunden, vor rund 13 Jahren dann der Einstieg in den Verein. «Hier habe ich meinen ersten Alleinflug gemacht», sagt der gebürtige Deutsche.
Längst fliegt er auch verschiedene Kunstflieger und Segler, doch gilt dem EC-130 sein besonderer Stolz: Auf seinen Traumhelikopter habe er lange gespart, mehr als 60 Stunden in den Aufbau investiert und einige Details per 3D-Drucker gefertigt. Am Ende des Platzes ist Gründungsmitglied Kurt Strasser dabei, eine «Legende» nach dem Transport wieder in den flugbereiten Zustand zu versetzen: Es ist die naturgetreue Nachbildung vom «Fieseler Storch» (Fi 156), der 1946 Luftfahrtgeschichte schrieb, als erstmals die Bergung von Verunglückten aus hochalpinem Gelände per Flugzeug gelang. Auch das Modell weist aussergewöhnliche Kurzstart- und Landeeigenschaften auf. Mit ausgefahrenen Klappen lässt der 66-Jährige die Maschine über die Piste fliegen: «Wenn es stärker winden würde, könnte sie im Luftstrom fast stehen bleiben.» Rund 30 selbstgebaute Modelle besitzt Strasser: «Im Bastelkeller wird es langsam eng.»
Pure Dynamik am Himmel
Während die «Scale-Flieger» dem Originalvorbild möglichst exakt folgen, zeigt Dario Neuenschwander Dynamik pur mit einem seiner Tron Performance-Helikopter, die er gemeinsam mit Kollegen entwickelt und in China produziert. Der 37-Jährige lässt das ultraleichte Gerät in den Himmel schiessen, rotieren und abrupt die Richtung wechseln: «Ich entscheide einfach im Moment, was passiert.» Den Einstieg in den Modellflug fand der Weltmeister im Drohnenflug von 2017 über seinen Vater, beide flogen bislang «wild», seit einem Jahr sind sie im Verein: «In der Gemeinschaft macht es mehr Spass als allein.»
Ausgestattet mit einer Lehrer-Schüler-Fernsteuerung gibt Neuenschwander seine breite Flug-Erfahrung an Janik Wieder weiter. Der 12-Jährige aus Watt ist einer von derzeit vier Junioren im Verein, die alle über das jährliche Rägi-Camp zur Modellfluggruppe Furttal fanden. Die Nachwuchsförderung liegt dem Verein am Herzen: So sind Mitglieder unter 18 Jahren vom Beitrag befreit und erhalten zum Einstieg einen Flieger gestellt. Jan Lüthi aus Buchs (13) hat seinen «Loopi» dabei, einen robusten Wurfgleiter aus Schaumstoff, den Aktuar Stefan Bieri für Vereinskollegen mit Motor und Ansteuerung nachrüstet.
Über dem Gelände kreisen derweil einige Segelflieger. Das Variometer liefert den konzentrierten Piloten am Boden per Sender akustische Signale über Auf- und Abwinde. Die geschickte Nutzung der Thermik kann stundenlange Flüge ermöglichen, während motorbetriebene Modelle meist nach sechs bis zwölf Minuten ihre Akkus aufladen müssen.
Der Flugbetrieb findet – mit begrenzen Funkzeiten und Schallpegeln – am Wochenende statt, sowie regelmässig unter der Woche. Der Flugradius fernab der Bebauung wird streng eingehalten. «Wir stossen in der Bevölkerung zum Glück auf eine breite Akzeptanz», freut sich Vereinspräsident Weber.
Zum Zeitpunkt der Gründung im März 1976 war man noch auf der Suche nach einem geeigneten Platz und wurde schliesslich auf dem ehemaligen Flugplatz Dällikon fündig – dort hoben von 1946 bis 1964 «manntragende» Flugzeuge der Segelfluggruppe Lägern ab, die zur Elite der Sportfliegerei zählte. Die geschichtsträchtige Vergangenheit des Flugplatzes erfüllt die Mitglieder der MG Furttal auch heute noch mit Stolz. «Es wäre schön, wenn wir noch lange hierbleiben dürfen», nennt Weber einen Wunsch für die kommenden 50 Jahre.
Martina Kleinsorg